Genaue Analyse des Wetters
Das Wetter ist bei der Fliegerei grundsätzlich, insbesondere aber beim Sichtflug, von zentraler Bedeutung. Praktisch das gesamte Wettergeschehen spielt sich in der sogenannten Troposphäre ab, welche bis zu einer Höhe von 11 km reicht. Darüber in der Stratosphäre gibt es keine Wolken und keinen Dunst mehr. Die grossen Düsenjets bewegen sich dort oben und haben dadurch fast unbegrenzte Flugsicht.
Unsere Kleinflugzeuge bewegen sich nun aber vorwiegend in den unteren Lufträumen G und E und sind deshalb sehr dem Wetter ausgesetzt. Bei der Vorbereitung eines Sichtfluges muss man sich über Wind und Wetter in dem Gebiet, in welchem der Flug geplant ist, genau informieren.
Lokale Windsysteme
In vielen Gebieten der Erde bilden sich bei bestimmten Wetterlagen durch orographische
Einflüsse lokale Windsysteme, die stark von den grossräumigen Windsystemen abweichen. Nicht selten
können sie eine Gefahrenquelle für die Fliegerei und insbesondere die Sportfliegerei darstellen und
müssen deshalb bekannt sein. Vor allem handelt es sich um thermisch bedingte Winde wie den Land- und
Seewind, welcher auch am Bodensee sehr oft festgestellt werden kann. Überdies gibt es den Berg- und
Talwind sowie die speziell an Gebirgen auftretenden Winde wie Mistral, Bora und Föhn.
Der Land- und Seewind
Tagsüber wird das Land stärker erwärmt als die benachbarte Wasserfläche. Das
hat zur Folge, dass
warme Luft über dem Land aufsteigt und an der entsprechenden Stelle über dem Boden ein Tiefdruckgebiet
entsteht, in das kühlere Luft vom Wasser her nachströmt (Seewind). Durch die über dem Land aufsteigende
Luft bildet sich in einer bestimmten Höhe ein Hoch. Dadurch entsteht ein Druckgefälle zum See hin,
die aufsteigende Luft fliesst in der Höhe in Richtung des Wassers ab. Durch die Abkühlung entsteht
über dem Wasser ein Hochdruckgebiet. Die Luft strömt daraufhin in Richtung des Tiefdruckgebiets
über dem Boden, womit sich der Kreis schliesst. Der daraus entstehende Wind am Boden wird Seewind
bezeichnet. Bei Nacht dreht sich die Zirkulation um und es entsteht ein Landwind.
Thermische Auf- und Abwinde
Die Luft wird über Sandflächen, Felsen und unfruchtbaren Landstrichen durch
die Sonneneinstrahlung mehr erwärmt als über Wasserflächen, bewachsenem Boden und Wälder, welche die
Wärme absorbieren und speichern. Die Luft wird somit durch die verschiedenen Bodenformen ungleich erwärmt,
was vertikale Luftströmungen entstehen lässt (Thermische Konvektion).
Unruhiger Flug
Gerät nun ein Flugzeug bei einem Überlandflug oder beim Anflug zur Landung in solche
manchmal sehr heftige Auf- und Abwinde, so wirkt sich die durch die Sonneneinstrahlung hervorgerufene
Vertikalböigkeit in einem unruhigen, unangenehmen (bockigen) Flug aus.
Ruhiger Flug
Möchte man bei schönem Wetter in der warmen Jahreshälfte einen ruhigen Flug geniessen,
so empfiehlt es sich, den Flug auf morgens oder abends, sobald die Sonneneinstrahlung noch nicht oder
nicht mehr so aktiv ist, festzulegen.

